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Die radikale Prostataentfernung (RPE)

 

In den meisten Fällen wird die Operation als kurative Therapie empfohlen.

Es gibt aber keine kurativen Therapien, sondern lediglich Therapien mit kurativer Zielsetzung!

Bei der Operation werden die Prostata sowie die Samenblasen entfernt. Dies ist also eine lokal begrenzte Therapie. Falls jedoch bereits kleinste Metastasen gestreut wurden, können diese irgendwann zu wachsen anfangen, was durch einen PSA-Anstieg sichtbar wird.

(siehe  Bereich Nachsorge)

Es gibt verschiedene Operationsmethoden:

- offene Bauchschnitt-OP

- Dammschnitt-OP (selten angewandt)

- da-Vinci-OP (= computergestützte laparoskopische OP)

Die Möglichkeit der Erhaltung der Erektionsnerven - einseitig oder beidseitig - sollte unbedingt vorab mit dem Operateur besprochen werden.
Hierbei bieten einige extrem erfahrene Zentren (z.B. www.pznw.de) einen zweiten Schnitt an den Nervensträngen, wenn der erste Schnittrand noch krebspositiv ist. "Wir schälen dann noch etwas ab". Erst, wenn auch der zweite Schnitt krebspositiv ist, wird der entsprechende Nervstrang entfernt.
Dies bedeutet eine doppelte Chance, nerverhaltend operiert zu werden.

Einige spezialisierte daVinci-zentren (z.B. www.nwpz.de) bieten eine neue Möglichkeit der Blasenhals-erhaltenden Operation.  Dies sollte von Ihnen im Vorgespräch zu einer Operation ebenfalls angesprochen werden, da dies die Chance für eine sofortige Kontinenz nach der Operation verbessert.

(der innere Schließmuskel im Blasenhals, der für die unbewußte Harnhaltung zuständig ist, wird hierbei erhalten, was die Chance der Sofort-Kontinenz deutlich erhöht !)

In allen Fällen kommt es darauf an, einen erfahrenen Operateur zu finden.

Eine Operation ist aber bei früherkanntem Prostatakrebs oft nicht notwendig, da der Krebs meistens nur langsam wächst und der Mann möglicherweise durch den Krebs bis zum Lebensende keine Probleme bekommt. siehe => Aktive Überwachung, siehe nachfolgenden Link:

Prostatakarzinom: Operation von Screening-Tumoren von fraglichem Nutzen

 

In einer Autopsie-Studie wurde festgestellt, dass 50% der 60-Jährigen, 60% der 70-Jährigen und 80% der 80-Jährigen Prostatakrebszellen hatten. Diese hatten jedoch zeitlebens keine Probleme verursacht. Die Männer waren aufgrund anderer Ursachen gestorben.

Hätte man jedoch 10 bis 20 Jahre früher aufgrund eines erhöhten PSA-Wertes eine Biopsie gemacht, hätte man evtl. die Krebszellen entdeckt und dann mit einiger Wahrscheinlichkeit die Prostata herausoperiert - mit allen Risiken und Nebenwirkungen!

Solche Überdiagnosen und Übertherapien gilt es zu vermeiden!!!!

 

Meistens stehen die Männer vor der Wahl:

=> Operation oder Strahlentherapie?
Da empfiehlt der Urologe meist eine Operation, manchmal schon eine bestimmte Klinik,

der Strahlentherapeut schildert die Strahlentherapie gerne in den schönsten Farben!

Was ist nun richtig?

Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Zum Einen hängt dies von der Person ab, welche Risiken sie zu tragen bereit ist, zum Andern hängt es entscheidend von der Krebssituation ab!
Dazu kommt, dass es jeweils wichtig ist, das bestmögliche Verfahren zu wählen

- bei Operation: offene oder daVinci-OP?

- bei Strahlentherapie: Brachytherapie, IMRT, VMAT, Tomotherapie, Cyberknife, Protonentherapie?)

 

Dazu gilt es, die bestmögliche Klinik und den bestmöglichen Arzt herauszufinden,

um das Nebenwirkungsrisiko jeweils möglichst zu minimieren.....

Das ist wohl die schwierigste Aufgabe, die Mann zu lösen hat!
Da ist ganz sicher hilfreich, auf die Informationen und Erfahrungen einer Selbsthilfegruppe zurückzugreifen! Wir können da sicher mit Informationen helfen. Kommen Sie zu unseren SHG-Treffen oder rufen Sie bei uns an.
 

Lt. einer Meta-Studie (= Auswertung mehrerer Studienergebnisse) soll die Operation der Strahlentherapie überlegen sein. (siehe Link:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/65139/Prostatakarzinom-Operation-laut-Meta-Analyse-der-Radiotherapie-ueberlegen

 

Auch wir neigen tendentiell eher zur Operation als zur Strahlentherapie, da bei der Operation auch die Krebsstammzellen mitentfernt werden, die nach unseren Kenntnissen resistent sind gegen eine Strahlentherapie.
Diese Entscheidung hängt auch vom Alter des Patienten ab.
Ein jüngerer patient wird sich aus guten Gründen eher für eine Operation entscheiden als für eine Strahlentherapie. Denn es gibt auch Langzeit-Risiken bei einer Strahlentherapie wie z.B. Sekundär-Karzinome im Darm oder Blase nach ca. 20 Jahren.

 

Wenn es sich jedoch um einen großen (viele krebsbefallene Stanzen mit hohem Krebsanteil) und aggressiven Krebsherd (GS 8 oder höher) handelt, dann ist eine operative Entfernung der Prostata sicher hilfreich - aber nicht kurativ!

Hier wird oft eine zusätzliche (adjuvante) Hormonblockade empfohlen, was sinnvoll ist. Mann sollte jedoch den postoperativen PSA-Wert messen (=> wurde ein unmeßbarer PSA-Wert erreicht?) und erst dann mit einer Hormonblockade beginnen.

Auch in diesem Fall ist nach unseren Erfahrungen und Informationen die zeitlich befristete Dreifache Hormonblockade (meist nur 13 Monate) besser als eine nur einfache HB mit einem Medikament!

(siehe Untermenü => Hormonblockade) oder den Link:

http://www.prostatakrebs-selbsthilfe-pforzheim.de/therapie/hormonblockade/

 

Wenn aber doch schon Metastasen sichtbar sind, wird oft eine Operation verwehrt. Dann wird nur eine (meist einfache) Hormonblockade empfohlen.

Hier findet jedoch in der Urologie ein Umdenken statt und eine Operation im Sinne der Krebsmassenveringerung wird erwogen. Mit einer zusätzlichen Hormonblockade hat Mann dann bessere Chancen auf eine längere Wirkungsdauer! Hierbei sprechen unsere Informationen und Erfahrungen jedoch dafür, anstelle der einfachen - oft jahrelangen Hormonblockade - die zeitlich begrenzte, sog. Dreifache Hormonblockade  zu machen
(siehe Untermenü => Hormonblockade).

 

Informieren Sie sich also nicht nur bei Ihren Urologen, sondern auch bei uns in der Selbsthilfegruppe!

Nutzen Sie unsere vielfältigen Erfahrungen als Betroffene und unsere vielseitigen Informationen!

Und wenn Sie sich für eine RPE entscheiden, dann ist es wichtig, das für Sie bestmögliche Operationsverfahren, die bestmögliche Klinik mit vielen Operationen (Anzahl Operationen /Jahr?) und den bestens erfahrenen Arzt zu bekommen.

(Stichworte: Nerverhalt möglich? einseitig? beidseitig? Blasenhals erhaltende Operation? u.a.)

Hinweis: Es ist hilfreich, schon vor der Operation mit dem Kontinenztraining zu beginnen!

 

Entfernung von Lymphknoten?

Bei einer Operation, werden meist einige Lymphknoten entfernt, um zu sehen ob diese krebsbefallen sind. Wenn dies der Fall ist, lautet der Teil der Tumorformel ....pN1(x/12)... d.h. es waren von 12 entnommenen LK x krebspositiv

Dieses Verfahren ist jedoch ebenso unsicher wie die "blinde" Biopsie ohne MRT-Bildgebung.

Daher möchte mancher Operateur gerne (z.B. bei erhöhten Risiken) auf der sog. "sicheren Seite" sein und empfiehlt eine sog. erweiterte Lymphknotenektomie, bei der bis zu 40 LK entnommen werden! - mit den Risiken auf Lymphozelen u.a. Nebenwirkungen!!

(Jeder Lymphknoten ist eine kleine Pumpe und fördert Lymphflüssigkeit und damit Schadstoffe  zu dem Abflusswegen. Jeder Lymphknoten hat also seine Funktion!

 

Besser ist insofern ein neues, gezieltes Verfahren, das die TU-München zusammen mit dem "Klinikum rechts der Isar" entwickelt hat, die "Operation mit der Gammasonde"
Hier wird über radioaktiv beladene PSMA-Marker während der Operation die Lymphknoten mit einer Gammasonde geprüft und diejenigen LK entfernt, bei denen die Gammasonde Strahlung anzeigt. Siehe nachfolg3enden Link:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/69549/Operation-mit-Gammasonde-entfernt-kleinste-Metastasen

bzw. nachfolgendes Dokument der Deutschen Ärztezeitung v. 14.7.2016:

Lymphadenektomie mit Gammasonde
Lymphadenektomie mit Gammasonde, 14.07.2[...]
PDF-Dokument [95.9 KB]

Achtung!

Nach einer Operation ist die sog. Tumorformel TNM, die im Krankenhausbericht enthalten ist, von großer Bedeutung.

Ggf. kann jeder den Bericht des Pathologen anfordern!

T = Tumorausbreitung

N = Status der Lymphknoten

M = Status der Fermnmetastasen

Bei  z.B. pT2c; pN1(2/15); pMx; pV0; pL0; pn1; G2-3; GS7a(3+4) bedeutet:
pT2c = pathologisch Tumor kapselbegrenzt, beide Seiten (Lappen) der Prostata sind befallen

pN1(2/15) = pathologisch Lymphknoten krebsbefallen (2 von 15 entnommenen LK)

pV0 = pathologisch sind die Venen krebsfrei

pL0 = Lymphgefäße - keine Krebszellen (nicht zu verwechseln mit Lymphknoten)

pn1 = Perineuralscheiden sind krebspositiv (pn0= ohne Krebszellenbefall)

pMx = Fermmetastasen können nicht beurteilt werden (pM1 Fernmetastasen sind vorhanden)

GS7a (3+4) = GleasonScore ist 7(3+4(5%)), der Gleasongrad 4 hat im Beispiel nur 5% Anteil. (bis zu 45%, wenn Grad 4 der größere Anteil ist, steht die 4 vorne!)
Je nach Anteil des Grads 4 noch fast GS 6(3+3) Niedrigrisikokrebs!

weitere Informationen siehe Link:

https://www.krebsinformationsdienst.de/untersuchung/krebs-befunde-verstehen.php

 

Nach einer Operation, wenn "nicht alles raus ist", wird meist eine zusätzliche Bestrahlung empfohlen. Ob jedoch genügend Anhaltspunkte für eine solche lokale Bestrahlung vorliegen, sollte anhand des pathologischen Befunds geprüft werden!

(siehe oben)

Ich würde aber zuerst den PSA-Wert kontrollieren!
Liegt dieser bei unmessbar (<0,05), kann zunächst auch die PSA-Entwicklung abgewartet werden und erst bei erkennbarem PSA-Anstieg über eventuelle weitere Therapien entschieden werden.
Bei schnellem PSA-Anstieg ist eher mit einer systemischen Ausbreitung zu rechnen, was klar gegen eine Bestrahlung spricht!

Nach meiner sollte eine Betrahlung nur dann erwogen werden, wenn in der Bildgebung (PSMA-PET/CT) Herde in der Prostataloge klar erkennbar sind.
Eine Betrahlung der Lymphbahnen beinhaltet m.E. zu viele Risiken (Strahlenschäden im Bauchraum)

Dann doch eher eine LK-Operation mit der Gammasonde (s. oben)
 

 

Eine (adjuvante) Bestrahlung sollte nicht vorgenommen werden, solange Mann noch stark inkontinent ist!

Denn die Blase soll während der Bestrahlung möglichst voll sein!

Und wenn man das Wasser nicht halten kann, dann ist die Blase leer und so kommt auch die ganze Blase in den Strahlenbereich!

Hier muss vor jeder Bestrahlung die Blase gefüllt und der Ablauf mittels z.B. Penisklemme verhindert werden.

Wird das versäumt, ist SPÄTER mit ERHEBLICHEN PROBLEMEN zu rechnen!

(Schrumpfblase. Ich kenne Leidensgenossen....)

Ausserdem ist nach Bestrahlung bei Inkontinenz der spätere eventuelle Einbau eines künstlichen Sphinkters (Blasenschließmuskel) problematisch, da der ganze Bereich inclusive der Harnröhre durch die Bestrahlung versprödet/verhärtet ist!

 

In solchen Fällen, wenn nach OP nicht aller Krebs raus ist, oder der PSA-Wert nach der OP schon wieder steigt,  haben wir mit der adjuvanten (ergänzenden) intermittierenden Dreifachen Hormonblockade gute Erfahrungen gemacht in unserer SHG.  Sie können ja gerne bei uns anrufen!

Die Hormonblockade wirkt systemisch, also sowohl auf die lokalen restlichen Krebszellen als auch systemisch auf eventuell vorhandene Mikrometastasen.

Siehe auch: http://www.prostatakrebs-selbsthilfe-pforzheim.de/was-tun-bei-psa-rezidiv/

Die Dreifache Hormonblockade wirkt besser als die übliche einfache HB mit der Depotspritze, da auch das restliche Testosteron (aus den Nebennierenrinden) blockiert wird. (siehe unter Hormonblockade)

=>> http://www.prostatakrebs-selbsthilfe-pforzheim.de/therapie/hormonblockade/

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