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Hormonblockade

 

Die Hormonblockade ist keine Therapie, die kurativ ist, bei der alle Krebszellen vernichtet werden. Die Hormonblockade ist aber eine systemische Therapie, die im ganzen Körper wirkt, also auch auf möglicherweise bereits vorhandene Mikrometastasen!

Auch hier gibt es verschiedene Ansätze:

- Die einfache Hormonblockade (Unterdrückung der Testosteronbildung oder die Blockade der Wirkung des Testosteron)

- Die sog. maximale Hormonblockade, bei der die Unterdrückung der Testosteronbildung mit

  der Blockade der Wirkung des Rest-Testosteron kombiniert wird

- Die Dreifache Hormonblockade*), bei der zusätzlich zur sog, maximalen Hormonblockade noch ein drittes zugelassenes Medikament eingesetzt wird. Diese Therapie ist zeitlich auf 13 bis 18 Monate begrenzt, gefolgt von einer möglichst jahrelangen Therapiepause mit Finasterid oder Avodart. Es ist eine sog. intermittierende Hormonblockade.

Bei einer Hormonblockade ist es wichtig, dass die erste Therapie möglichst optimal wirken kann, damit möglichst viele Krebszellen schon im ersten Zyklus abgetötet werden, damit anschließend eine möglichst lange Pausezeit erreicht werden kann!

Je besser jedoch die erste Hormonblockade wirkt, umso weniger Testosteron ist vorhanden bzw. kann kann wirken und die Krebszellen zur Zellteilung anregen, umso mehr Krebszellen sterben ab und umso länger kann der Patient davon profitieren!

Daher haben wir mit der Dreifachen Hormonblockade bisher die besten Erfahrungen! Die Pausezeiten sind 3-4 mal so lang im Vergleich zur Standard-einfachen Hormonblockade! Zeitgewinn ist Lebensqualität!

Das Ansprechen einer Hormonblockade kann über die Schnelligkeit des PSA-Abfalles und über die höhe des sog. PSA-Nadirs (niedrigster PSA-Wert) beobachtet werden. Der PSA-Nadir soll unter 0,05 ng/ml liegen. Höhere Werte sind ein Hinweis darauf, dass die Hormonblockade nicht ausreichend wirkt.

 

Unsere Erfahrungen in der SHG und viele Informationen sagen:

Wenn Hormonblockade, dann die Dreifache Hormonblockade!*)

(HormonBlockade mit drei Medikamenten gleichzeitig)

siehe auch Menüpunkt oben "Erfahrungsberichte"

Der wesentliche Vorteil der Dreifachen Hormonblockade*) ist die anschließend meistens mögliche oft jahrelange Therapiepause, bei der sich der Testosteron-Wert wieder erholen kann und dadurch die Lebensqualität deutlich verbessert!

Außerdem ist das Risiko einer Hormonunabhängigkeit im ersten Zyklus einer zeitlich begrenzten möglichst vollständigen Hormonblockade geringer als in einer jahrelang andauernden einfachen Hormonblockade!

 

Beachte:

Gerade diese natürliche Erholung des Testosteron-Wertes in der Therapiepause macht den Mann wieder zum Mann, was spürbar ist und zu mehr Kraft, Leistungsfähigkeit und zu besserem Wohlbefinden führt! Das bringt Lebensqualität!

Aber:

Nach einer Anwendung der "Spritze" zur Unterdrückung der Testosteron-Produktion über eine Zeitdauer zwischen 2 und 5 Jahren verlernen die Hoden, Testosteron zu produzieren, sodass Testosteron sich auch nach dem Absetzen der "Spritze" nicht mehr erholt, allenfalls leicht ansteigt, aber weit unter dem Normalbereich bleibt.

Dennoch kann durch den auch nur leicht ansteigenden Testosteron-Wert der PSA-Wert steigen, was auf ein Wiederaufflammen des Krebses hinweisen kann. (nicht überreagieren!)

In diesem Fall wäre Bicalutamid, ein Antiandrogen, empfehlenswert, welches verhindert, dass Testosteron an den Rezeptoren der Krebszellen anbinden kann.

 

Beachte:

Die Krebszellen können im Laufe der Hormonblockade reagieren und andere Wege suchen, um sich teilen zu können. Dies führt zum sog. kastrations-unabhängigen Prostatakrebs, bei dem die Hormonblockade scheinbar nicht mehr wirkt (PSA-Wert steigt trotz Hormonblockade). Dann sind weitere Therapien erforderlich (Chemotherapie, Immuntheapie, u. zunehmend mehr Möglichkeiten - in Zukunft nach Gen-Analysen gezielte Therapien)

 

Eine zweite Hormonblockade wirkt nicht mehr so gut wie beim ersten Mal!
Die überlebenden Krebszellen haben ja gelernt, eine solche Hormonblockade zu überstehen.

Daher schlägt Dr. Bob Leibowitz, ein US-amerikanischer Onkologe und Prostatakrebs-Spezialist vor, die zweite Hormonblockade nur über 9 Monate zu machen, aber zusätzlich eine Chemotherapie, um die Wirkung auf eine zusätzliche Therapie zu verbessern! (z.B. Docetaxel 50mg/m² Körperoberfläche alle 2 Wochen - in Abstimmung mit Ihrem Onkologen! (In ersten Studien vergleichbare Wirkung bei geringeren bis wenig Nebenwirkungen)

Wer dies nicht will, kann nach bildgebender Diagnostik mittels PSMA-PET/CT prüfen, ob es möglich ist, die Prostata und/oder bestimmte Metastasen operativ entfernen bzw. bestrahlen zu lassen. Während einer Bestrahlung ist eine zusätzliche Hormonblockade nach vorliegenden Studien hilfreich und verlängert das Überleben.
Nach einer Operation sollte via PSA-Wert eine Erfolgskontrolle erfolgen.

Nach einer Operation ist - sofort oder verzögert - immer noch eine Hormonblockade, z.B. Bicalutamid + Avodart zusätzlich möglich und ist wahrscheinlich hilfreich, da eine systemische Ausbreitung unter 3 mm auch im PSMA-PET/CT nicht zu erkennen ist.

Ziel ist es ja, erneut eine möglichst lange Therapiepause zu erzielen.
 

*) die Dreifache Hormonblockade ist mangels großer, randomisierter Studien noch nicht als solche zugelassen. In der Praxis muss man daher i.a. das dritte Medikament privat bezahlen (20,- bis 32,- €/Monat), benötigt jedoch hierfür ein grünes Privatrezept.

siehe auch Menüpunkt "Erfahrungsberichte" in der obigen Menüleiste!

In den nachfolgenden Dokumenten haben wir unsere Erfahrungen und Informationen dargelegt:

Hormonblockade - wann - wie ?
Ein Vortrag, der den Einsatz der Dreifachen Hormonblockade erläutert und begründet
Hormonblockade 30.6.2015.pdf
PDF-Dokument [867.1 KB]
Ein Versuch, die Wirkungsweise der Dreifachen Hormonblockade einfach zu erklären
Wirkungsweise der DHB.pdf
PDF-Dokument [53.1 KB]
.Leibowitz -Aktualisieruug 2004
DHB-Aktualisierung_Maerz04.pdf
PDF-Dokument [92.6 KB]
Kosten der Dreifachen Hormonblockade
Zwei der drei erforderlichen Medikamente können auf Kassenrezept verschrieben werden (die sog. maximale Hormonblockade), das dritte Medikament ist nur für die gutartige Prostatavergrößerung zugelassen und kann daher nur auf Privatrezept verordnet werden.
Kosten der DHB.pdf
PDF-Dokument [10.2 KB]
Therapieprotokoll der Dreifachen Hormonblockade
Um eine Therapie zu optimieren, sollte die Durchführung sich möglichst an diesem Protokoll orientieren. Das Protokoll basiert auf den Aussagen und Erfahrungen der Drs. Leibowitz und Strum (beides Onkologen in den USA)
Therapieprotokoll Dreifache Hormonblocka[...]
PDF-Dokument [159.6 KB]
Avodart
Dutasterid (=Avodart) ist ein 5-alpha-Reduktasehemmer, der in Studien auch bei Prostatakrebs gezeigt hat, dass er das Fortschreiten von Prostatakrebs hemmt. Hier wird ein Vergleich mit dem älteren Finasterid erläutert.
Ein 5-alpha-Reduktasehemmer ist die dritte Blockadestufe bei der Dreifachen Hormonblockade.
Avodart.pdf
PDF-Dokument [83.4 KB]
Nebenwirkungen einer Hormonblockade
Nebenwirkungen einer Hormonblockade sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. In diesem Dokument werden alle möglichan Nebenwirkungen erläutert und aufgezeigt, was man dagegen tun kann.
Nebenwirkungen einer HB - was kann man d[...]
PDF-Dokument [95.0 KB]
Meine Entscheidung für und Erfahrungen mit der Dreifachen Hormonblockade
Meine persönliche Entscheidung für und meine Erfahrungen mit der Dreifachen Hormonblockade - Dieter Voland
Meine Entscheidung für und Erfahrung mit[...]
PDF-Dokument [125.6 KB]
Verfügbare Evidenz zur Dreifachen Hormonblockade
Neubewertung der Hormonblockade unter Berücksichtigung einer nach Dauer und Blockadewirkungsgrad optimierten Dreifachen Hormonblockade
Neubewertung der Hormonblockade.pdf
PDF-Dokument [559.9 KB]

Bei einer Hormonblockade muss man mit einem sog. "Selektionsvorteil" der hormonunabhängigen Krebszellen rechnen. Hierbei werden die hormonabhängigen Krebszellen durch die Hormonblockade weitgehend vernichtet, die bereits möglicherweise vorhandenen hormonunabhängigen Krebszellen bekommen mehr Raum für ihr Wachstum.

Dieses Risiko ist bei der ersten Hormonblockade und GS bis 7a gering, jedoch größer bei hohen GleasonScores (7b/4+3) oder höher. Das Risiko wird bei wiederholten Hormonblockaden jedesmal größer.

Deshalb ist es besser, eine möglichst vollständige Hormonblockade über eine ausreichend lange - aber nicht zu lange Zeit zu machen! (max. 13-20 Monate) 

(siehe oben Dreifache HB)

 

Aus diesen Gründen ist es auch unsinnig - und unlogisch -, jeweils nur kurze Hormonblockaden zu machen. (z.B. nur solange, bis der PSA unmessbar ist, dann Pause)

Hierbei werden die meisten Krebszellen überleben, denn wenn der PSA unmessbar ist, sind nur die wenigsten Krebszellen bereits abgestorben.
Die Krebszellen versuchen, durch "Kräftesparen" zu überleben unsd stellen dann zuerst die PSA-Produktion ein....
Die Erfahrungen lehren, dass in solchen Fällen die Zyklen immer kürzer werden, der PSA-Nadir (der jeweils niedrigste PSA-Wert) aber bei jedem nächsten Zyklus höher liegt.
Schließlich sind die zu erreichenden Pausezeiten so kurz, dass der Patient keinen Vorteil durch eine Testosteronerholung erreichen kann.

 

Außerdem ist es wichtig, dass nach der Hormonblockade der Testosteron wieder in den Normalbereich kommt, damit der Selektionsvorteil wieder umgedreht wird. Ansonsten werden weiter hormonunabhängige Krebszellen weiter wachsen, es bildet sich dann ein aggressiver, hormonunabhängiger Krebs aus!
Unter Testosteroneinfluss (sofern nicht operiert oder bestrahlt) werden die Prostatafunktionen wieder aktiv, sodass ein begrenzter PSA-Anstieg normal ist. Es können und werden auch wieder hormonabhängige Krebszellen wachsen, die jedoch einer erneuten Hormonblockade zugänglich sind....

 

Neue Medikamente bei kastrationsunabhängigem Prostatakrebs:

Zytiga (Abirateroneazetat) und Xtandi (Enzalutamid) sind zugelassen bei sog. kastrationsunabhängigem Prostatakrebs, d.h. wenn bei Testosteron im Kastrationsbereich (<0,3 ng/ml), also unter Testosteronunterdrückung durch die Depotspritze, trotzdem der PSA-Wert steigt. Studien haben Überlebensvorteile von (statistisch) ca. 4 Monate ergeben bei Anwendung vor oder auch nach einer Chemotherapie.

Nach bisherigen - ersten - Erkenntnissen bringt es in Summe einen größeren Überlebensvorteil, wenn zuerst Zytiga und erst danach Xtandi genommen wird.

 

Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das große vergebens warten.

(Perl S. Buck)