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Fokale Therapien

Um zu schnelle, radikale Therapien mit teils erheblichen Nebenwirkungen zu vermeiden, wurde in der S3-Leitlimie die Aktive Überwachung aufgenommen wenn ein früherkannter lokalisierter Prostatakrebs vorliegt, bei dem weniger als 2 Stanzen krebspositiv sind mit jeweils unter 50% Krebsanteil und der GleasonScore (GS) 6(3+3) ist.

(siehe Menüpunkt "Aktive Überwachung")

Es hat sich jedoch gezeigt, dass es vielen Männern schwer fällt, vorerst "nichts" zu tun, wo sie doch eine Krebsdiagnose bekommen haben....

In diese Bresche springen zunehmend fokale Therapien, welche nicht die ganze Prostata "behandeln", sondern gezielt die Krebsherde.

Diese Therapieart wird sich zwischen "Aktiver Überwachung" und Operation/Strahlentherapie platzieren und wird mit nur geringen Risikien verbunden. Ein interessanter Artikel zum Thema:

http://www.theresienkrankenhaus.de/fileadmin/user_upload/Medizinische_Fachbereiche/Urologie/Fokale_Therapie__Koehrmann__BPS_Magazin_02_2014.pdf
 

Voraussetzung für eine fokale Therapie ist eine sehr gute bildgebende Diagnostik, insbesondere die multiparametrische MRT (mpMRT - möglichst 3-Tesla), die schon in etlichen Kliniken angeboten werden

(Adressen können bei uns angefragt werden).

 

Bei fokalen Therapien gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass die Studienlage noch völlig offen ist und dementsprechend eigentlich keiner sagen kann, wie die Ergebnisse sein werden, vor allem langfristig.
Dies gilt (noch) für die HIFU (=HochIntensive Fokussierte Ultraschall-Therapie), die IRE (Irreversible Elektroporation), auch NanoKnife genannt.
Hier ist Vorsicht geboten. Fragen Sie nach den vorliegenden Studienergebnissen!

 

Inzwischen liegt für ein Verfahren zur fokalen Therapie das Ergebnis einer Studie vor. Die Zulassung ist beantragt:
Photodynamische Therapie.
Bei dieser Therapie wird eine lichtempfindliche Flüssigkeit in die Venen gespritzt. Nachdem sich diese verteilt hat, wird über den Damm durch eine Hohlnadel eine Laserfaser in die Prostata nahe der Krebsherde geführt. Durch das Laserlicht gerinnt die Flüssigkeit und verstopft dadurch die Blutbahnen und nimmt somit dem Krebsherd die Blutversorgung. Infolgedessen sterben die Krebszellen ab.

Studienergebnisse:

Die Studie kann über das nachfolgende Dokument eingesehen werden:

" Zwei Jahre nach der photodynamischen Therapie hatten 101 Patienten (49 Prozent) eine negative Prostatabiopsie gegenüber 28 Patienten (14 Prozent) in der „active surveillance“-Gruppe. Auch der Anteil der Patienten, die sich bereits einer radikalen Prostatektomie unterzogen hatten, war mit 6 Prozent gegenüber 30 Prozent deutlich geringer.

Die photodynamische Therapie wurde von den meisten Patienten gut vertragen. Die häufigsten schweren Nebenwirkungen (Grad 3 oder 4) waren eine Prostatitis bei drei Patienten (2 Prozent) und eine akute Harnverhaltung bei drei Patienten (2 Prozent). Nur zwei Patienten klagten über eine erektile Dysfunktion (1 Prozent) gegenüber drei Patienten (1 Prozent) in der Vergleichsgruppe. 

Die Firma Steba Biotech, ein Spin-off des Weizmann-Instituts mit Sitz in Luxemburg hat aufgrund der Ergebnisse bereits im Januar eine Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelagentur beantragt. Eine Entscheidung steht noch aus. © rme/aerzteblatt.de"

Die Studie kann über das nachfolgende Dokument eingesehen werden:

Ich denke, diese Art fokaler Therapie wird auch zukünftig bei fokalen Prostatakrebsherden mit höheren Gleasonscores in Verbindung mit einer Dreifachen Hormonblockade eine gute Alternative sein zur Totaloperation. (sytemische Therapie plus Vernichtung der Hauptherde).

 

Allerdings steht dies im Widerspruch zu allen Intentionen wohl der meisten Urologen, die ja vorzugsweise operieren wollen - schließlich ist die Prostatektomie der angebliche Goldstandard und ist auch Basis für "ihr Geschäft".....

Warten wir es ab. Bis dahin bleibt es immer noch den Patienten vorbehalten, sich für dies oder jenes zu entscheiden.....