Früherkennung

 

Die Früherkennung von Prostatakrebs mittels dem PSA.-Test ist für Männer ab 45 Jahren wichtig (für erblich vorbelastete Männer ab 40 Jahren)

Die Früherkennung soll vor allem eine Zu-Spät-Erkennung vermeiden. (fortgeschrittenen Krebs mit Metastasen)

Die große europäische Studie zur Früherkennung mittels PSA-Test ERSPC mit ca. 160.000 Teilnehmern hat nach 13 Jahren festgestellt, dass etwa 27% weniger Männer durch Prostatakrebs gestorben sind, wenn der PSA-Test zur Früherkennung angewendet wird.

Die Rate von Überdiagnosen soll Experten zufolge rund 40 Prozent betragen. Dazu sagt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), Prof. Dr. Oliver Hakenberg: „Diesen negativen Aspekten von Früherkennungsmaßnahmen beim Prostatakarzinom trägt die DGU schon lange Rechnung, indem sie in ihrer ‚S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms’ einen sorgsamen Umgang mit Früherkennungsuntersuchung und Zurückhaltung bei der Behandlung von sogenannten ‚Niedrig-Risiko-Prostatakarzinomen’ empfiehlt“.

https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/erspc-studie-bestaetigt-nutzen-von-psa-tests-4309/

"Andererseits werden auch durch dieses PSA-Screening in mehr als 50% solch kleine Prostatakrebse entdeckt, die das Leben der Männer nicht bedrohen, wo also weder eine aktuelle, weiter-gehende Diagnose (Biopsie) noch eine Therapie notwendig ist." (wo also eine weitere Beobachtung und Kontrolle ausreichend ist, um (evtl. Jahre) später, aber noch rechtzeitig eine aktive Therapie mit kurativer Zielsetzung zu wählen)

"On the other hand, screening may also detect cancers, which do not form a threat to the patients’ life. Finding such cases cannot be avoided at present. It has been estimated that for screening in the general population the number of such minimal cancers is more than 50 % (Draisma 2003). Their diagnosis is actually unnecessary and leads to unnecessary treatment which may be associated with side effects." (Prof. Fritz Schröder)

Die Früherkennung mit dem PSA-Test ist umstritten, da der PSA-Wert zudem von mehreren Faktoren beeinflusst wird. PSA ist ein Organmarker und kein spezifischer Krebsmarker!

Der PSA-Wert wird auch durch die Prostatagröße und eine (oft chronische) Prostata-Entzündung erhöht!

Eine falsche Bewertung führt zu vorzeitigen u. manchmal unnötigen Biopsien und zu Übertherapien!

 

Aber: Wenn der PSA etwa gleichmäßig steigt und/oder der Krebsverdacht erhärtet ist durch Tasten (DRU = Digital-rektale Untersuchung) oder durch Bildgebung

(z.B. im TRUS = transrektale Ultraschalluntersuchung oder im mpMRT = multiparameterMRT) ist eine Biopsie derzeit noch nicht vermeidbar und sogar angeraten - am Besten eine sog. Fusionsbiopsie. Weitere Infos siehe Menüpunkt "Diagnose"

=> http://www.prostatakrebs-selbsthilfe-pforzheim.de/diagnose/

 

Trotz dieser Unsicherheiten sind wir für die Früherkennung, wenn der Patient über die Vorteile der Früherkennung von Prostatakrebs und über die Risiken durch Überdiagnostik und Übertherapie aufgeklärt wurde.

Gleichzeitig soll der Patient über die verschiedenen auch gutartigen Einflussfaktoren für eine PSA-Erhöhung und über zusätzliche Möglichkeiten, diese Einflussfaktoren zu erkennen, informiert werden.

Wenn Man(n) jedoch diese Einflüsse kennt, kann man mit dem PSA-Wert recht gut umgehen!

So weist ein PSA-Wert, der sich gleichmäßig erhöht, eher auf eine Krebsentwicklung hin. Ein PSA-Wert, der mal hoch und mal niedrig ist, könnte durch eine Entzündung, Druckbelastung (z.B. durch Fahrradfahren), Ejakulationen 1-2 Tage vor der Blutabnahme oder andere Faktoren verursacht sein.

Auch ist die Prostatagröße ein (konstanter) Einflussfaktor auf die Höhe des PSA-Wertes. (Je größer die Prostata, desto höher der "normale" PSA-Wert)

Als weitere Hilfe bei der Einschätzung des Risikos, Prostatakrebs zu haben - oder auch nicht - ist die Bestimmung des sog. "freien PSA" und

des "PSA-Quotienten" = freies-PSA / gesamt-PSA.

z.B. PSA = 8, fPSA = 1,6 => PSA-Q = 1,6 / 8 = 0,2 bzw. 20%

bei PSA-Q-Werten oberhalb 25% ist eher eine gutartige Prostatavergrößerung wahrscheinlich, bei PSA-Q-Werten unter 15% ist dies ein Hinweis auf einen möglichen Prostatakrebs. Dazwischen ist leider ein Graubereich...

 

Das Dumme dabei: Auch Prostataentzündungen (Prostatitis) führen zu hohen PSA-Werten und zu niedrigen PSA-Q-Werten! Daher sollte also durch Ihren Urologen abgeklärt werden, ob evtl. eine (chronische) Prostatitis vorliegt.

Dies erfolgt über die sog. 2- oder 4-Gläser-Probe des Urins.

Hierbei gibt es bakterielle Prostataentzündungen und abakterielle Prostataentzündungen. Antibiotika wirken nur bei bakteriellen Prostataentzündungen. Chronische bakterielle Prostataentzündungen müssen über mind. 4 Wochen behandelt werden.

PSA-Kontrollen vor Beginn und nach Ende der Behandlung sollten selbstverständlich sein.

 

Tipp:

Nur eine Folge von mehreren PSA-Werten lässt sich bewerten!

Also zunächst den PSA-Wert in angemessener Zeit wiederholen, um zu sehen, ob sich die Entwicklung bestätigt.

Ein gleichmäßig steigender PSA-Wert weist eher auf Prostatakrebs hin, ein Auf-und Ab eher auf eine Prostataentzündung.

Je langsamer der PSA-Anstieg, desto größer die sog. PSA-Verdoppelungszeit*), desto mehr Zeit bleibt für Diagnostik und Therapieentscheidung!

                  *) das ist die Zeit, in der sich der PSA-Wert verdoppelt.

Anhand von zwei PSA-Messungen kann der PSA-Anstieg über die sog. PSA-Verdoppelungszeit ermittelt werden:

=>  http://www.labor-limbach.de/PSA-Verdopplungszeit.355.0.html?&no_cache=1

Je länger die Verdoppelungszeit ist, desto besser.

In der S3-Leitlinie finden Sie weitere Informationen:

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/043-022OL.html

=>Patientenleitlinie "Prostatakrebs: Früherkennung
 

Nachfolgend noch ein Informationsblatt der SHG Prostatakrebs Pforzheim, bei dem auf 2 Seiten die wichtigsten Erläuterungen zu Früherkennung, Diagnose und Therapieentscheidung aufgeführt wurden:

Informationsblatt Prostatakrebs
Informationsblatt-Prostatakrebs.pdf
PDF-Dokument [18.1 KB]

Zunächst gilt es also, eine voreilige Biopsie zu vermeiden!

Wenn aber der Verdacht auf Prostatakrebs erhärtet ist, dann ist eine Biopsie (Gewebeprobe) unvermeidlich zur Ermittlung wichtiger Fragen:

- Liegt Prostatakrebs wirklich vor?

- Wie agressiv ist der Krebs?

- Wie groß ist/sind die Krebsherde?

- Ist die Prostatakapsel noch frei?

 

"Das PSA-Screening reduziert die Zahl der Todesfälle durch Prostatakrebs deutlich - ähnlich oder mehr als das Mammografie-Screening für Brustkrebs", sagt Fritz Schröder vom Erasmus University Medical Center im niederländischen Rotterdam, der an der Studie beteiligt war. "Allerdings sind etwa 40 Prozent der beim Screening entdeckten Fälle Überdiagnosen, sodass es ein großes Risiko von unnötigen Behandlungen und damit einhergehenden, verbreiteten Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Impotenz gibt." Die Studienautoren geben deshalb bislang keine Empfehlung für ein generelles Screening von Männern ab 50 oder 55 Jahren.

www.spiegel.de - Informationen zum PSA-Screening

 

Eine informierte Früherkennung ist jedoch etwas Anderes als Screening, bei der jeder Mann zum PSA-Test geladen wird....

In jedem Falle gilt es, Überdiagnosen und Übertherapien zu vermeiden!

Dies erfordert aber den informierten und mündigen Patienten!

 

Weitergehende Informationen siehe Rubrik "Diagnose" auf dieser Webseite.