Diagnose

Diagnostik ist das A und O vor der Therapieentscheidung!

Es ist sehr wichtig, über seine Krebsdiagnose gut informiert zu sein, ggf. noch weitere Diagnostik zu veranlassen, um die biologischen Eigenschaften und die Ausbreitung zu kennen.

Denn nur dann kann eine der Krebssituation angemessene Therapie gewählt werden.

Die Diagnostik sollte folgende Dinge beinhalten:

 

1. PSA-Wert und insbesondere die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit

    Hierzu müssen mehrere PSA-Werte in Folge ermittelt und bewertet werden.

    Aus diesen Werten kann die PSA-Verdoppelungszeit errechnet werden:

    http://www.labor-limbach.de/PSA-Verdopplungszeit.355.0.html?&no_cache=1
   

   Ein ansteigender und wieder abfallender PSA-Wert weist eher auf eine (häufige)

   Prostataentzündung oder andere Einflußfaktoren hin. Hier gilt der Verlauf der 

   jeweils niedrigsten Werte.

   Ein gleichmäßiger, mehrmaliger PSA-Anstieg kann eher auf eine

   Krebsentwicklung hinweisen.

   Eine große Prostata kann höhere PSA-Werte begründen!

    (z.B. Prostatavolumen 80 ml entspricht einem "normalen" PSA-Wert von 6 bis 8 ng/ml)

    Fragen Sie Ihren Urologen nach dem Prostatavolumen (PV in Milliliter ml oder cm³)

   Schon der PSA-Wert bedarf also einer sorgfältigen Bewertung!

 

Achtung:

Auch bei einem niedrigen PSA-Wert kann ein mehrmaliger schneller Anstieg auf eine Krebsentwicklung hinweisen! (oder auf eine Entzündung!)

 

2. Rektale Tastuntersuchung (DRU = Digital-rektale Untersuchung)

    Diese DRU kann Hinweise auf verhärtete Bereiche der Prostata geben, was ein Hinweis dafür

    sein kann, dass eine Krebsherd nahe der Prostatakapsel u. ggf. Kaspelüberschreitung möglich

    ist.

    Die DRU alleine ist jedoch als Früherkennungsmaßnahme ungeeignet, denn ein positiver

    DRU-Befund ist eher eine Späterkennung!

 

3. TRUS (Transurethrale Ultraschall-Untersuchung)

     Mittels einer transrektalen Ultraschall-Untersuchung kann der Facharzt evtl. Bereiche 

     feststellen, die krebsverdächtig sind.

    Bei dieser Untersuchung kann der Urologe auch das Prostatavolumen bestimmen, indem er 

    Punkte an der Prostatakapsel markiert. Das interne System errechnet anhand dieser

    Markierungen das Prostatavolumen. Das Prostatavolumen ist Basis für die Bewertung eines

    erhöhten PSA-Wertes durch Prostatavergrößerung!

 

4. MRT (Magnet Resonanz Tomographie)

     Ein "normales" MRT, wie man es überall bekommen kann, ist für die Prostatakrebs-

     Diagnostik nicht ausreichend.

     Mittels einer MRT neuester Technik, der sog. Multiparameter-MRT (mpMRT) werden

     mehrere MRT-Untersuchungen nach verschiedenen Kriterien nacheinander

     vorgenommen und die Bilder danach fusioniert. Da sieht man auch Aktivität bzw.

     den Grad der Durchblutung.
     Mittels einer mpMRT kann deutlich besser erkannt werden, welche Herde verdächtig

     sind und wie groß diese sind und wo diese Herde liegen.

      Im mpMRT sieht man vor allem die aggressiven Herde, da hier die größte Aktivität vorliegt. 

      Wenig aggressive Herde können eher nicht erkannt werden, sind aber therapeutisch auch

      nicht so relevant.

     Nach einem mpMRT können gezielte Biospien gemacht werden.

      Sind keine verdächtigen Herde im mpMRT zu sehen, würde ich auch nicht unbedingt eine

      Biopsie machen lassen!

     Durch Multiparemeter-MRT könnte jede vierte Biopsie vermieden werden:

     www.aerzteblatt.de/nachrichten/72605

 

5. Die Biopsie (Gewebeprobe)

     Wenn der Verdacht auf Prostatakrebs erhärtet wurde - nach Ausschluß bzw.

     Berücksichtigung anderer Möglichkeiten wie Prostatitis oder Prostatavolumen oder anderer

     Ursachen für die PSA-Erhöhung und wenn ein deutlicher PSA-Anstieg vorliegt - dann ist

     eine Biopsie zur Abklärung, ob Prostatakrebs vorliegt, unumgänglich!

    Eine Biopsie soll aber nicht nur den Nachweis erbringen, ob Prostatakrebs

    vorliegt, sondern sie soll auch möglichst gute Informationen liefern über die

    biologischen Eigenschaften des Krebses und über die Ausbreitung des Krebses

    in der Prostata. Hier ist eine gezielte Biopsie nach multiparametrischer MRT

    besser als eine "blinde" Biopsie, bei der durchaus an einem Krebsherd

    "vorbeigeschossen" werden kann....

     Erst eine Biopsie kann aufzeigen, ob und in wieviel Stanzen Krebs ist und mit

     welchem GleasonScore (= eine Bewertung der Agressivität durch den Pathologen)
 

     Ohne einen Nachweis des Vorliegens von Prostatakrebs durch eine Biopsie

     wird kein Arzt eine Therapie veranlassen! (es sei denn, der PSA ist schon so hoch,

     dass ein fortgeschrittener, metastasierter Prostatakrebs angenommen werden kann)
 

     Aber auch vor der Biopsie ist einiges zu beachten, um Entzündungen zu

     vermeiden!

     Eine Biopsie kann über das Rektum/den Enddarm oder perineal (durch die Haut zwischen

     Hodensack und After) erfolgen. Bei der perinealen Biopsie ist das Infektionsrisiko

    geringer als bei der Biopsie durch den Enddarm, bei der evtl. Kotteilchen in die Prostata

    gelangen können.

 

     Üblich ist eine Biopsie über das Rektum/den Enddarm unter Ultraschall-Kontrolle.

     12 bis 20 Stanzen sind die Regel. Ein Antibiotikaschutz vor Infektionen ist notwendig und

     Standard.

     Eine leichte Vollnarkose und die Biopsie in der Urologie eines Krankenhauses ist zu

     empfehlen.

     Eine Enddarm-Reinigung (Klistier) kann das Infektionsrisiko verringern. (nicht üblich, ein

     Klistier kann man aber in jeder Apotheke bekommen.)

 

     Bei einer sog. randomisierten Biopsie (= systematisch verteilt liegende

     Gewebeproben) kann man die Krebsherde treffen, oder nur streifen oder ganz

     vorbei "schießen". Insofern ist die Aussagekraft einer Biopsie begrenzt,

      insbesondere bei sehr großen Prostatae und nur wenigen "Stanzen".
     Die Unsicherheit bleibt! Bei negativem Stanzergebnis und steigenden

     PSA-Werten wird daher oft auf eine baldige Zweitbiopsie gedrängt
 

     Alternativ kann eine nach multiparametrischer MRT-Bildgebung (s.oben.

     Punkt 4.) gezielte, perineale Biopsie (über den Dammbereich, zwischen After und

     Hodensack) Biopsie erfolgen, dies ist  jedoch nicht Standard, aber besser!
     Eine Kontakt-Adresse ist in nachfolgenden Link enthalten:

     BiopSee® MRT-navigierte stereotaktische Prostatastanzbiopsie

     Nach einer solchen Biopsie kann mit größerer Sicherheit beurteilt werden, ob Krebs

     überhaupt vorliegt, wo die Herde sind, wie groß diese sind und wie hoch der

     Aggressivitätsgrad (GleasonScore) ist.

     An der Universitätsklinik Tübingen gibt es nun eine sog. Roboter-Biopsie, bei der ebenfalls

     - ähnlich wie in Heidelberg - die Biopsie durchgeführt wird anhand von mpMRT-Bildern ,

     die mit Ultraschall-Bildern in einem Computersystem verbunden werden, wobei  mittels

     eines robotergestützten Systems perineale gezielte Gewebeproben entnommen werden:

     https://www.medizin.uni-tuebingen.de/Presse_Aktuell/Pressemeldungen/2015_08_24-port-10443-p-149705.html

    

   Die Biopsie gibt Hinweise über die Agressivität und Ausbreitung des

   Krebses. Diese sind wichtig für die Wahl einer angemesenen Therapie.

     Hierzu ist der pathologische Befund (Biopsiebefund), d.h. die Befundung der

     Gewebeproben der Biopsie durch einen Pathologen wichtig.

     Wir helfen Ihnen, solche Befunde zu verstehen und einzuordnen. Ein hilfreicher Tipp zur

     Erläuterung von Begriffen ist folgender Link:

     http://www.prostata-sh.info/index.php/info

   Tipp:

   Sie sollten eine Kopie des pathologischen Originalbefunds vorliegen

   haben! (Sie haben ein Recht auf Befund-Kopien, der Arzt kann aber die

   Kostenerstattung verlangen - bis 0,50 €/Seite)

Folgende Angaben aus dem pathologischen Befundbericht sind wichtig:

- wieviel Stanzen von wieviel gesamt sind krebsbefallen ("positiv")?

    z.B. 2/20 (zwei Stanzen von insgesamt 20 Stanzen sind krebspositiv)

- wieviel Prozent /mm jeder einzelnen positiven Stanze sind Krebs?

  (bei einer Stanzenlänge von ca. 15 mm entsprechen 30% einer Herdlänge von ca. 5 mm)

- Gleason Sore GS *)

- Welcher Prozent Anteil betrifft den größeren bzw. kleineren Gleason-Grad

  (siehe unten)

- ist die Kapsel befallen?

- ist nur eine oder sind beide Prostatalappen befallen?

- gibt es perineurale Invasion? (= Befall der in die Prostata hineinragenden Nervbahnen)

*) es erfolgt für jede Stanze eine zweimalige Befundung, bei der der Grad der Entartung vom Pathologen bewertet wird. (Entartung bedeutet Veränderung weg vom Normalgewebe)

Je stärker die Zellen entartet sind, desto aggressiver ist der Krebs, desto höher ist der Gleason-Grad. 3 ist der niedrigste, 5 ist am stärksten entartet und am aggresivsten.

Die erste Bewertung gilt für den vorherrschenden, größten Anteil, die zweite (u.ggf. dritte) Bewertung für den kleineren Anteil. Bei unterschiedlichen Gleason-Graden ist es wichtig, dass der prozentuale Anteil des aggressiveren Anteils angegeben wird.

Die Summe dieser beiden Bewertungen ist der Gleason-Score (GS)

Gleason-Grade unter 3 werden nicht mehr bestimmt, da der Unterschied zu normalen Zellen gering ist und oft nicht eindeutig erkennbar ist.

Beispiele:

GS 6 (3 + 3) enspricht demnach einem niedrigen Risiko

GS 7a (3 + 4 (10%)) ist noch mittleres Risiko, der 4-er-Anteil ist sehr gering.

GS 7a (3 + 4( 40%)) ist zwar auch noch mittleres Risiko, ist aber näher beim GS 7b

GS 7b (4 (90%) + 3) ist bereits hohes Risiko und fast ein GS 8

GS 8 (4 + 4) zählt zum hohen Risiko, ebenso die folgenden Scores

GS 9 (4 + 5 (20%) ist hohes Risiko, der 5-er-Anteil ist aber relativ klein.

GS 9 (5 (70%) + 4) ist bereits fast ein GS 10, da der größte Anteil Grad 5 hat

GS 10 (5 + 5) ist die Situation, wo sich die Krebszellen schon weitestgehend

                         verändert, die Ränder der Zellen verschmolzen (konfluiert) sind.

unter dem Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Prostatakrebs

finden sich u.a. Aussagen zu den Prognosefaktoren:

Wichtigste Faktoren für die Einschätzung der Prognose sind das Tumorstadium nach TNM, der PSA-Blutwert und die Differenzierung des Tumors, der Gleason-Score.

In den S3-Leitlinien zur Früherkennung, Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms sind drei Gruppen mit unterschiedlichem Rezidivrisiko bei lokal beschränktem Tumor erarbeitet worden. Die Einteilung in Risikogruppen soll Ärzten und Patienten helfen, eine auf jeden Fall zugeschnittene Therapie zu ermöglichen. Bei niedrigem Rezidivrisiko ist z. B. ein aktives Beobachten (active surveillance) möglich, wohingegen bei hohem Risiko eine Operation in Betracht gezogen werden sollte:[63]

  • niedriges Risiko: PSA-Wert < 10 ng/ml und Gleason-Score 6 (maximal) und Stadium cT1c, 2a
  • intermediäres (mittleres) Risiko: PSA-Wert >10–20 ng/ml oder Gleason-Score 7 oder cT2b
  • hohes Risiko: PSA-Wert > 20 ng/ml oder Gleason-Score ≥ 8 oder cT2c.

Weitere Informationen finden Sie unter folgenden Links:

Informationen zur Biopsie vom Urologen fs:

http://fs-urologie.de/schwerpunkte/prostatabiopsie/

 

In den (pathologischen) Befunden stehen viele Fachbegriffe, die es ebenfalls zu verstehen gilt und auch deren Bedeutung zu erfassen, damit die richtigen (Therapie)Entscheidungen getroffen werden können. Hier ist ein Link sehr hilfreich mit einem Wörterbuch der Fachbegriffe:

http://www.prostata-sh.info/index.php/info

 

Das TNM-System dient zur Beurteilung der Ausbreitung des Tumors T in der Prostata, den Samenblasen, in den Lymphknoten (N=Nodes) sowie eventuell vorhandene erkannte Fernmetastasen (M=Metastasen). Die Fernmetastasen können nur bildgebend durch ein Knochenszintigramm, besser durch ein PSMA-PET/CT diagnostiziert werden.

Das TNM-System auf einen Blick

 

Weitere Blutwerte:

Neben der PSA-Kontrolle kann auch die Kontrolle des AP-Wertes, der sog. "Ostase" im Blut sinnvoll sein. Ostase steht für Knochenaktivitäten. Sie wird bei der Bildung von Knochengewebe ins Blut freigesetzt und kann ein erster Hinweis sein auf Knochen-Metastasen sein.

Die Ostase ist keine Kassenleistung und kostet ca. 25 €. Der Normwert bei erwachsenen Männern ligt zwischen 15 und 41 U/l (Units/Liter).

siehe http://www.laborlexikon.de/Lexikon/Infoframe/o/Ostase.htm

Bei einer Chemotherapie müssen die Blutwerte, also das kleine u.ggf. das große Blutbild kontrolliert werden.

Erläuterungen zu den Werten finden Sie in folgendem Dokument: